Adultes Temperament als Risikomarker der ADHS
Zum Zusammenhang von Surgency, Negative Affect und Effortful Control mit der Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung im Erwachsenenalter
Publication date
2024
Document type
Meeting Abstract
Organisational unit
Conference
53rd DGPs Congress / 15th ÖGP Conference ; Vienna, Austria ; September 16–19, 2024
Publisher
Universität Wien
Book title
53rd DGPs Congress / 15th ÖGP Conference, September 16-19, 2024, Vienna, Austria : abstracts
First page
29
Last page
30
Peer-reviewed
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Part of the university bibliography
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Language
German
Abstract
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine neurobiologische Entwicklungs- und Verhaltensstörung mit Beginn in Kindheit und Jugend, die in vielen Fällen bis ins Erwachsenenalter persistiert. Temperamentstheorien bilden einen vielversprechenden Ansatzpunkt für das Verständnis dieser komplexen Störung, da extreme Temperamentsausprägungen als ätiologische Risikofaktoren der ADHS betrachtet werden, die zur Aufrechterhaltung der Störung beitragen könnten. Das Dual-Pathway-Modell formuliert die Annahme, dass die ADHS-Kernsymptome unabhängig voneinander mit spezifischen Temperamentsfaktoren assoziiert sind – Unaufmerksamkeit mit Effortful Control (EC) und Hyperaktivität/Impulsivität mit Surgency (SUR) und Negative Affect (NA). Diese Studie überprüft daher einerseits die Hypothese, dass die Ausprägungen der Temperamentsfaktoren SUR, NA und EC in einer binär-logistischen Regression die Wahrscheinlichkeit für eine adulte ADHS-Diagnose beeinflussen und untersucht andererseits, ob die Merkmale unabhängig voneinander mit ADHS assoziiert sind oder ob sich Moderationseffekte finden lassen. In einer Vorstudie mit 72 Studienteilnehmer*innen (25% weiblich, Alter: M=27.86, SD=7.03), die sich gleichmäßig auf eine ADHS- und eine Kontrollgruppe verteilten, konnten 90% der Gesamt-Stichprobe auf Basis der drei Temperamentsfaktoren im Regressionsmodell korrekt klassifiziert werden. Stärkere Ausprägungen der Temperamentsfaktoren SUR und NA sowie eine niedrigere Ausprägung der EC erhöhten die Wahrscheinlichkeit für eine ADHS-Diagnose. Es ließen sich keine signifikanten Interaktionseffekte feststellen. Die vom Dual-Pathway-Modell dargestellten spezifischen Assoziationen konnten jedoch nur teilweise bestätigt werden. Es wurde zudem deutlich, dass adulte ADHS-Patient*innen in besonderem Maße von Frustrationserleben sowie Defiziten in der Emotionsregulation betroffen sind. Diese vorläufigen Studienergebnisse sollen bis zum DGPs-Kongress anhand einer größeren Stichprobe (N=150-200) überprüft werden, da sie die Notwendigkeit eines überarbeiteten mehrdimensionalen Ätiologie-Modells der ADHS verdeutlichen.
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