Meso-Fundierung von Dynamic Capabilities
Spannungsfelder und ihre Auswirkungen auf die Partizipation des mittleren Managements im Prozess strategischer Erneuerung
Translated title
Meso-foundations of dynamic capabilities: tensions and their effects on middle management participation in the process of strategic renewal
Publication date
2026-08-14
Document type
Dissertation
Author
Fischer, Thorsten
Advisor
Referee
Granting institution
Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg
Exam date
2026-07-07
Organisational unit
Publisher
Universitätsbibliothek der HSU/UniBw H
Part of the university bibliography
✅
File(s)
Language
German
DDC Class
650 Management und unterstützende Tätigkeiten
Keyword
Dynamic capabilities
Spannungsfeld
Partizipation
Dynamic interpersonal capability
Mittleres Management
Meso-Ebene
Strategische Erneuerung
Abstract
DE:
Die vorliegende Dissertation untersucht, welche Spannungsfelder Mitglieder des mittleren und operativen Managements bei der strategischen Erneuerung ihrer Organisation wahrnehmen, wie sie mit ihnen umgehen und welche Auswirkungen dieser Umgang auf ihre Partizipation hat. Die Arbeit leistet damit einen Beitrag zur Meso-Fundierung von Dynamic Capabilities – einem Forschungsstrang der strategischen Managementforschung, der bislang vorwiegend die Mikroebene individueller Führungskräfte und die Makroebene der Organisation in den Blick nimmt, die Zwischenebene interpersoneller Interaktion jedoch unzureichend berücksichtigt.
Den theoretischen Rahmen bilden drei Perspektiven: der Dynamic Capabilities View als Ausgangspunkt mit dem Konzept der Dynamic Interpersonal Capability nach Salvato und Vassolo (2018), das Partizipation als zwischenmenschliche Fähigkeit begreift, sowie die relational-dialektische Theorie (Baxter & Montgomery), die eine spannungsorientierte Perspektive auf Beziehungs- und Dialogqualität eröffnet. Ergänzend identifiziert eine Strategy-as-Practice-Perspektive die konkreten Praktiken, mit denen Organisationsmitglieder Spannungsfeldern begegnen.
Methodisch handelt es sich um eine qualitative Einzelfallstudie zur Führungsakademie der Bundeswehr, die sich seit 2016 in einem umfassenden Erneuerungsprozess befindet. Die Datenauswertung erfolgte anhand von 33 Interviews mit 31 Teilnehmenden mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring, unter kombinierter Anwendung deduktiver Strukturierung und induktiver Kategorienbildung.
Die Ergebnisse zeigen 33 Spannungsfelder und 13 Praktiken, mit denen Organisationsmitglieder ihnen begegnen, sowie 49 induktiv abgeleitete Wirkungen dieser Praktiken auf die Beziehungs- und Dialogqualität. Die Wirkungen erweisen sich als kontextabhängig, da dieselbe Praktik je nach Art des Spannungsfelds fördernd oder hemmend wirken kann. Auf dieser Grundlage wird Partizipation als Dynamic Interpersonal Capability neu charakterisiert: als die Fähigkeit von Führungskräften und Mitarbeitenden, den Umgang mit Spannungsfeldern zwischenmenschlicher Interaktion so zu gestalten, dass er einen produktiven Dialog ermöglicht, durch den individuelle Gewohnheiten, Kognition und Emotionen integriert und gemeinsame Organisationsziele verfolgt werden können.
Der zentrale theoretische Beitrag der Arbeit liegt in der Verknüpfung von Partizipation als Dynamic Interpersonal Capability mit dem zwischenmenschlichen Umgang mit Spannungsfeldern. Partizipation ist dabei nicht als statischer Zustand, sondern als dynamische, fortlaufend neu verhandelte Fähigkeit zu verstehen. Der Umgang mit Spannungsfeldern beeinflusst die Beziehungs- und Dialogqualität, wodurch wiederum neue Spannungsfelder wahrnehmbar werden. Dieser iterative Prozess verankert Dynamic Capabilities auf der zwischenmenschlichen Ebene der Organisation. In praktischer Hinsicht legt die Arbeit nahe, Spannungsfelder als natürlichen und produktiven Bestandteil strategischer Erneuerungsprozesse zu verstehen, anstatt sie als Störungen oder Defekte zu behandeln.
Die vorliegende Dissertation untersucht, welche Spannungsfelder Mitglieder des mittleren und operativen Managements bei der strategischen Erneuerung ihrer Organisation wahrnehmen, wie sie mit ihnen umgehen und welche Auswirkungen dieser Umgang auf ihre Partizipation hat. Die Arbeit leistet damit einen Beitrag zur Meso-Fundierung von Dynamic Capabilities – einem Forschungsstrang der strategischen Managementforschung, der bislang vorwiegend die Mikroebene individueller Führungskräfte und die Makroebene der Organisation in den Blick nimmt, die Zwischenebene interpersoneller Interaktion jedoch unzureichend berücksichtigt.
Den theoretischen Rahmen bilden drei Perspektiven: der Dynamic Capabilities View als Ausgangspunkt mit dem Konzept der Dynamic Interpersonal Capability nach Salvato und Vassolo (2018), das Partizipation als zwischenmenschliche Fähigkeit begreift, sowie die relational-dialektische Theorie (Baxter & Montgomery), die eine spannungsorientierte Perspektive auf Beziehungs- und Dialogqualität eröffnet. Ergänzend identifiziert eine Strategy-as-Practice-Perspektive die konkreten Praktiken, mit denen Organisationsmitglieder Spannungsfeldern begegnen.
Methodisch handelt es sich um eine qualitative Einzelfallstudie zur Führungsakademie der Bundeswehr, die sich seit 2016 in einem umfassenden Erneuerungsprozess befindet. Die Datenauswertung erfolgte anhand von 33 Interviews mit 31 Teilnehmenden mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring, unter kombinierter Anwendung deduktiver Strukturierung und induktiver Kategorienbildung.
Die Ergebnisse zeigen 33 Spannungsfelder und 13 Praktiken, mit denen Organisationsmitglieder ihnen begegnen, sowie 49 induktiv abgeleitete Wirkungen dieser Praktiken auf die Beziehungs- und Dialogqualität. Die Wirkungen erweisen sich als kontextabhängig, da dieselbe Praktik je nach Art des Spannungsfelds fördernd oder hemmend wirken kann. Auf dieser Grundlage wird Partizipation als Dynamic Interpersonal Capability neu charakterisiert: als die Fähigkeit von Führungskräften und Mitarbeitenden, den Umgang mit Spannungsfeldern zwischenmenschlicher Interaktion so zu gestalten, dass er einen produktiven Dialog ermöglicht, durch den individuelle Gewohnheiten, Kognition und Emotionen integriert und gemeinsame Organisationsziele verfolgt werden können.
Der zentrale theoretische Beitrag der Arbeit liegt in der Verknüpfung von Partizipation als Dynamic Interpersonal Capability mit dem zwischenmenschlichen Umgang mit Spannungsfeldern. Partizipation ist dabei nicht als statischer Zustand, sondern als dynamische, fortlaufend neu verhandelte Fähigkeit zu verstehen. Der Umgang mit Spannungsfeldern beeinflusst die Beziehungs- und Dialogqualität, wodurch wiederum neue Spannungsfelder wahrnehmbar werden. Dieser iterative Prozess verankert Dynamic Capabilities auf der zwischenmenschlichen Ebene der Organisation. In praktischer Hinsicht legt die Arbeit nahe, Spannungsfelder als natürlichen und produktiven Bestandteil strategischer Erneuerungsprozesse zu verstehen, anstatt sie als Störungen oder Defekte zu behandeln.
EN:
This dissertation examines which tensions members of middle and operational management perceive during the strategic renewal of their organization, how they engage with them, and what effects this engagement has on their participation. The study thereby contributes to the meso-foundations of dynamic capabilities – a research stream in strategic management that has to date predominantly focused on the micro-level of individual managers and the macro-level of the organization, while insufficiently addressing the intermediate level of interpersonal interaction.
The theoretical framework rests on three perspectives: the Dynamic Capabilities View as a starting point with the concept of Dynamic Interpersonal Capability according to Salvato and Vassolo (2018), which conceives of participation as an interpersonal capability; and relational-dialectic theory (Baxter & Montgomery), which offers a tension-oriented perspective on relationship and dialogue quality. In addition, a Strategy-as-Practice perspective identifies the concrete practices through which organizational members engage with tensions.
Methodologically, the study is a qualitative single-case study of the Führungsakademie der Bundeswehr, which has been undergoing a comprehensive renewal process since 2016. The data were analyzed on the basis of 33 interviews with 31 participants, using Mayring's qualitative content analysis, combining deductive structuring with inductive category formation.
The findings identify 33 tensions and 13 practices through which organizational members engage with them, as well as 49 inductively derived effects of these practices on relationship and dialogue quality. These effects prove to be context-dependent, as the same practice can either promote or hinder relationship and dialogue quality depending on the type of tension involved. On this basis, participation is recharacterized as a Dynamic Interpersonal Capability: the ability of managers and employees to shape their engagement with tensions in interpersonal interaction in such a way that it enables productive dialogue, through which individual habits, cognition, and emotion can be integrated and shared organizational goals pursued.
The dissertation's central theoretical contribution lies in linking participation as a Dynamic Interpersonal Capability to the interpersonal engagement with tensions. Participation is thus to be understood not as a static state but as a dynamic capability that is continuously renegotiated. Engagement with tensions shapes relationship and dialogue quality, through which new tensions in turn become perceptible. This iterative process anchors dynamic capabilities at the interpersonal level of the organization. From a practical standpoint, the study suggests that tensions should be understood as a natural and productive part of strategic renewal processes rather than as disruptions or deficiencies to be eliminated.
This dissertation examines which tensions members of middle and operational management perceive during the strategic renewal of their organization, how they engage with them, and what effects this engagement has on their participation. The study thereby contributes to the meso-foundations of dynamic capabilities – a research stream in strategic management that has to date predominantly focused on the micro-level of individual managers and the macro-level of the organization, while insufficiently addressing the intermediate level of interpersonal interaction.
The theoretical framework rests on three perspectives: the Dynamic Capabilities View as a starting point with the concept of Dynamic Interpersonal Capability according to Salvato and Vassolo (2018), which conceives of participation as an interpersonal capability; and relational-dialectic theory (Baxter & Montgomery), which offers a tension-oriented perspective on relationship and dialogue quality. In addition, a Strategy-as-Practice perspective identifies the concrete practices through which organizational members engage with tensions.
Methodologically, the study is a qualitative single-case study of the Führungsakademie der Bundeswehr, which has been undergoing a comprehensive renewal process since 2016. The data were analyzed on the basis of 33 interviews with 31 participants, using Mayring's qualitative content analysis, combining deductive structuring with inductive category formation.
The findings identify 33 tensions and 13 practices through which organizational members engage with them, as well as 49 inductively derived effects of these practices on relationship and dialogue quality. These effects prove to be context-dependent, as the same practice can either promote or hinder relationship and dialogue quality depending on the type of tension involved. On this basis, participation is recharacterized as a Dynamic Interpersonal Capability: the ability of managers and employees to shape their engagement with tensions in interpersonal interaction in such a way that it enables productive dialogue, through which individual habits, cognition, and emotion can be integrated and shared organizational goals pursued.
The dissertation's central theoretical contribution lies in linking participation as a Dynamic Interpersonal Capability to the interpersonal engagement with tensions. Participation is thus to be understood not as a static state but as a dynamic capability that is continuously renegotiated. Engagement with tensions shapes relationship and dialogue quality, through which new tensions in turn become perceptible. This iterative process anchors dynamic capabilities at the interpersonal level of the organization. From a practical standpoint, the study suggests that tensions should be understood as a natural and productive part of strategic renewal processes rather than as disruptions or deficiencies to be eliminated.
Description
Bei der vorliegenden Fassung handelt es sich um die finale, vom Erstgutachter gemäß § 8 Abs. 10 PromO freigegebene Version der Dissertation. Die Disputation fand am 07.07.2026 statt und wurde mit dem Gesamturteil "magna cum laude" bewertet.
Die Arbeit gliedert sich in neun Kapitel:
(1) Einführung in das Forschungsthema,
(2) Theoretische Grundlagen (Dynamic Capabilities View, Dynamic Interpersonal Capability, relational-dialektische Perspektive),
(3) Stand der Forschung,
(4) Forschungslücke, Forschungsfrage und Forschungsmodell,
(5) Darstellung des Forschungsplans,
(6) Empirische Erhebung und Datenanalyse,
(7) Darstellung der Ergebnisse (Spannungsfelder, Praktiken, Auswirkungen),
(8) Interpretation und Diskussion sowie
(9) Fazit und Ausblick.
Die Arbeit gliedert sich in neun Kapitel:
(1) Einführung in das Forschungsthema,
(2) Theoretische Grundlagen (Dynamic Capabilities View, Dynamic Interpersonal Capability, relational-dialektische Perspektive),
(3) Stand der Forschung,
(4) Forschungslücke, Forschungsfrage und Forschungsmodell,
(5) Darstellung des Forschungsplans,
(6) Empirische Erhebung und Datenanalyse,
(7) Darstellung der Ergebnisse (Spannungsfelder, Praktiken, Auswirkungen),
(8) Interpretation und Diskussion sowie
(9) Fazit und Ausblick.
Cite as
Fischer, Thorsten (2026): Meso-Fundierung von Dynamic Capabilities: Spannungsfelder und ihre Auswirkungen auf die Partizipation des mittleren Managements im Prozess strategischer Erneuerung. Dissertation, Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg.
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